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tour_tagebuch

26. Februar 2016, Dresden/Waldbadhaus Weixdorf

Dem Schnapse wohnt was inne, einer Daggering-Hipsterin nicht mehr viel von Belang (340)

 

Freunde des frischen Atems, der gesunden Musik, des Dichters Pratajev. Auf zu neuen Taten, jetzt schlägt’s 13 für die Doctors. Denn solange konzertieren sie schon, 13 Jahre. Toll, wie die Zeit vergeht und was da alles schon erlebt wurde. Niemals bisher konzertierte man im untrubeligen Dresdner Heide-Norden, genauer gesagt: in Weixdorf. Die dort ansässige Feiermanufaktur ermöglicht es heute. Auf dem Waldbadhaus-Programm steht geschrieben: „Wintergrillen mit den Russian Doctors“. Na, das passt doch.

 

Das Equipment ist verladen, Fürst Fedja gibt Gummi. Ein barbarisch blauer Himmel, bestückt mit völlig kraftloser Sonne, lockt nicht gerade zum länger draußen rumstehen und frieren. Selbst den Hunden wurden Strickmäntel übergeholfen und keine leicht bekleidete, Dub-kontaminierte Outdoor-Daggering-Hipsterin ist an der Prager Straße Richtung Autobahn zu erspähen. Wie? Sie kennen keine leicht bekleideten, Dub-kontaminierten Outdoor-Daggering-Hipsterinnen? Das ist auch besser so. In der Zusammenschau würde man sie so beschreiben: Jung gebliebene (Alter ist kein Verdienst!) Kletterwandabsolventinnen mit „Stoff im Blut“, die sich an der Prager Straße Richtung Autobahn nach zu viel Bass-Konsum erbrechen (Slow Motion Vomit) und dabei hektisch mit dem Hintern puddingwackeln. Schon trollt sich das Männchen herbei. Hinter der Hipsterin aufzuführende, physiotherapeutisch wertvolle Lower Belly-Workout-Crunchie-Moves sind die gewünschte Folge. Geklaut bei Pratajev. Wir erinnern uns an den „Wiege Deinen Rumpf-Tanz“ der letzten Doctors-Tour.

 

 

Mittlerweile ist es stockfinster geworden, die Magistralen des Sachsenlandes wurden lange verlassen. Sanft spricht die Navigationsdame zum Fürst Fedja: „Drehen Sie wenn möglich um“. Für derlei Unwirsch hat Doctor Makarios nur Verachtung übrig. „Nein, nein, nein, mach die aus, das muss hier sein.“ So ist es auch, tata: Rechter Hand erscheint ein Backsteinhaus mit direktem Zugang zu einem halbabgelassenen See, das Waldbadhaus. „Sie haben ihr Ziel erreicht“, spricht Doctor Pichelstein mit bestgelaunter Navistimme. Was wäre das für ein Zweitjob für den Pi.doc? Navistimme! Und am besten gleich noch Flughafenstimme oben drauf „Passengers Fedja and Makarios, last call for passengers Fedja and Makarios. Run for your lives, if you will enter Paradise.” Apropos: Raus aus der minder gut belüfteten Enge, rein ins grüne, kalte Dresden-Paradies. Alles steht unter Denkmalschutz, sogar das Wasser. Autotüren schlagen zu, der Tross fällt einer herzlichen Begrüßung anheim.

 

„Ja, damals war’s, im Zschonergrundbad…“ Der Bühnenaufbau gelingt dank Baukastensystem, während draußen, auf der Terrasse der Kulinarik, eine zweite Augenweide bestellt wird. Noch rasch einen Outdoor-Daggering-Hipster-Dance beim warmrauchenden Kaffee aufgeführt, dann verleiht der Uhrzeiger Soundcheck-Flügel. Erste Gäste treffen ein, Tische werden okkupiert, das Waldbadhaus ist bald reichlich gefüllt. An der Schnapsbar wird bereits gepfiffen („Verzerrter Mund“) und gesummt („Hier hab ich gelegen“). Na das kann ja heiter werden. Früh liegen sich die Menschen in den Armen, Integrationstabletten bleiben im Schrank.

 

 

Die Terrassenbühne tischt und tellert auf: Kartoffelsuppen, Grillwerk á la Schaschlik u.v.m. Drinnen gibt’s Kaltgetränke, wird Schnaps, dem viel innewohnt, an Bedürftige verteilt. Doctoren schmausen, Doctoren geht es gut, so muss es von Anfang an bis immer sein. Mittenmang spielt sich das Konzert fürwahr dann wie von selbst. Ab 21:15 Uhr hochdeutscher Zeit wird der „Rotarmist“ wachgeküsst, geleitet Doctor Makarios die Feierrunde quer durchs wilde Leben Pratajevs. Besagter Schnaps (dem viel innewohnt) steigt Pichelstein rasch zu Kopfe und da vorn am Tisch behauptet wird: „Das ist bestimmt bloß Wasser“, schenkt der schnellste Erlenholzgitarrist der Welt gerne ein Glas her. Hat er sich doch eben erst beim „Wanderer“ mit dem Fingerprotektor der Schlaghand in den Saiten verhakt. Das passiert übrigens nur bei Vodka unterhalb der 10 €-Einkaufspreis-Schmerzgrenze. Bei Bulbash nie. Und nur höchst selten während eines Becherovka-Gelages. Nur so am Rande… Weiter geht’s bis zur Pause, bis zur ersten Schnapsbar. Eine beneidenswerte Dichte großer Pratajev-Verse liegt bereits hinter den Doctors. Schullektüre von damals oder völliger Unsinn? Total egal. Allen gefällt’s.

 

17 Brandenburger Minuten später beginnt Set Nummer zwei mit den „Feldmännern“, jede Menge totes und lebendes Getier reiht sich ein und eigentlich geht es nur der Kuh wirklich gut. Die „Toten Katzen im Wind“ führen mitunter zu einer erschütternden Solo-Damenflucht Richtung Klo. Erst dahinter wird sich der beidhändige Ohrenschutz wieder gelockert haben. Beim „Raucher von Bolwerkow“ ist die Lady mit der Welt wieder im Reinen. Erstaunlich.

 

 

Der Abend gelingt bis über die letzten Zugaben hinaus, Howie schaut bei der dritten Schnapsbar vorbei. Ein Hauchen, ein R überrollt das nächste R. Selbst in „Hello again“ versteckt sich eines und muss herausgequetscht werden. Fehlen nur noch die „Löcher im Strumpf“ wegen der „Spuren im Sand“, dann muss es fast reichen. Okay, noch eine pratajevsche Quintessenz hinterher: „Schnaps und Weiber“. Doctor Makarios‘ Stimme braucht Öl, Doctor Pichelsteins wunde Finger wollen in Froschbutter getaucht werden. Balsam für alle! Reine Seele für die Kehle! Die Ferienwohnung ist gleich um die Ecke. Glücklich schaut man aus dem Fenster und raucht eine letzte Lulle in die Nacht hinein. Aus den Boxen erklingt zartsüßlich der neue Stern am artigen Schlagerhimmel: Conny Cokker aus Weimar an der Goethe: „Wenn der Millionär kommt und immer wieder herkommt, muss es mit den beiden wohl was ernstes sein. Sie ist 17 Jahre, hat feuerrote Haare…“

 

Danke für diesen feinen Abend. Wer nicht da war, hm, der wird’s bereuen. Doch so wie’s ausschaut, suchen die Doctors das nächste Wintergrillen im Februar 2017 wieder heim.

 

30. Dezember 2015, Leipzig/Noch Besser Leben, Finissage: Der Maler Pratajev – Die Petroperbolsker Sammlung

Das tolle Treiben der Ge-Bieter (339)

 

Der Vernissage vom 17. Oktober dieses Jahres folgt heute, wie sollte es anders sein, die Finissage. Die Bilder der Petroperbolsker Sammlung werden darin meistbietend versteigert, Doctor Makarios schwingt den Auktionshammer, eruiert anhand geistreich vorgetragener Forschungstexte Pratajevs Malerphasen. Schrocke-Mögeleit samt Geheimagentin Maggi Neubert komplettieren das Kunstprotokoll. Der Zuständigkeitsbereich für Telefonbieter liegt in Fürst Fedjas geschwollener Hand (Folge eines bisweilen noch unbehandelten Trinkunfalls vom 25.12. – Fedja leidet unter der sogenannten Röntgenphobie. Patienten dieses Genres befürchten, dass auf Röntgenbildern Dinge zum Vorschein kommen, die noch viel schrecklicher sind als z.B. der Haarriss eines Fingergliedes. Zum Einbildungsszenario gehören Fremdzähne, Fremdbackenknochen, eingewachsener Schmuck, Mobiltelefone, zerborstene Schnapsflaschenhälse und sogar chinesische Fahrradklingeln).

 

Die Doctoren dürfen bei all dem nicht fehlen. Jedes Bild wird mit passendem Liedgut Pratajevs angekündigt, Wunschtitel können heute ersteigert werden. Was wird aus den Erlösen? Nun, die werden, nach Abzug aller Unkosten, der Petroperbolsker Kunstsammlung zugeführt, um dortselbst die malerischen Phasen Pratajevs weiterhin hochschulkonform zu unterstützen. Da am heutigen Tag, dem vorletzten des Jahres 2015, auch Vertreter der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst vertreten sein werden, darf somit weiterhin von einem pratajev-relevantem Lehrstuhl (wenn auch von einem ganz kleinen) geträumt werden. Maler wie Neo Rauch, die Leipziger Schule und andere Expertisen würden das Unterfangen sicherlich unterstützen wollen.

 


Zunächst einmal: Bühne aufbauen, Bilder aufstellen, die Servierkraft begrüßen, Pizza bestellen, was man alles so treibt, wenn der geplante Abend vollends in eigener Hand liegt. Erste Pratajevianer der Boehlen, OT Grossdeuben-Forschergruppe werden gesichtet und Fürst Fedjas (geschwollene) Begrüßungshand bleibt tief in der Hosentasche. Nicht dass da noch jemand draufdrückt. Die andere (gesunde) Hand führt ein Glas Schnaps spazieren, also wird höflich genickt. Als gleich drei Flaschen Richard Bahners Kräuterbitter zum Geschenkevorschein kommen, ist die Freude groß, denn das genannte Pläsierchen ist wirklich lecker. Schon füllt sich das Wohnzimmer des Noch Besser Leben, sind die Stuhlreihen voll besetzt, als es gerade losgehen soll, kommt dann auch die Pizza. Und da Hunger beileibe böse macht (wie wir aus der Haus aus Stein-Buchreihe wissen), muss die Showtime noch ein wenig nach hinten geschoben werden. Im Auditorium steigt die Spannung, die Geduldsfäden hängen jedoch an außerhalb Asiens kräftig gewebten Spinnereifäden.



Mit dem „Rotarmisten“ geht’s los und dann gleich über einleitende Makarios-Worte mitten rein in die Versteigerungen. Das lautstark umjubelte Tohuwabohu nimmt seinen Lauf; Mindestgebote halten im Ge-Bietertrubel nicht lange Stand. Doctoren lassen es krachen; die „Toten Katzen im Wind“ werden zu rasenden Walzerkatzen im Howie-Sand. Pichelstein trägt einen frischen Schlager aus dem Feldlager vor - justament am 24.12. legte sich der schnellste Akustik-Gitarrist mit einem Infekt nieder und stand erst am Tag nach Weihnachten wieder auf. Schlimmer kann es überhaupt nicht kommen. Im Ofen schmorte die Ente, im Pichelstein schmorte das Fieber.



Die Reihen „Äpfel des Glücks“, „Birkenstammbilder“, Pratajevs „Diareya Aquarelle“ (geschaffen unter dem Einfluss einer bösen Darmverstimmung des Dichter-Malers), Werke lustbetonten Inhaltes und viele mehr wechseln die Besitzer. Postkartenbieter Eademakow („Schöne Grüße aus dem Erzgebirge“) führt mit einem dreistelligen Gebot nur kurz, dann ist der „Schweinekopf“ oder auch „Die Gänseblume“ auch schon in Besitz eines Telefonbieters. Fünf Pratajev-Weisen plus Schnäpse werden im Paket gleich mitgebucht, Fürst Fedja reicht’s Tablett: gekippt, geschlürft, vernichtet und losgespielt. Und schließlich hat das Treiben auf der Wohnzimmerbühne ein Ende. Die Servierkraft sieht mächtig geschafft aus, den Chef wird’s freuen, und dann beginnen sie, die kunstreichen Diskussionsrunden an den Tischen, in den Ecken. Niemand möchte früh nach Hause gehen und eigentlich beginnt ja auch schon in wenigen Stunden das Jahresfinale, Silvester genannt. Was für ein außergewöhnlich schöner Abend. „Mein Doctor, damit hatte ich jetzt nicht gerechnet“, sagt ein Doctor zum anderen. Schlussszene: Abgang der Protagonisten, verschmitzt lächelnd. Riesendank an Schrocke-Mögeleit samt Geheimagentin, an Gurt Kaktus für erneute Schnapsvorstellungskraft, an alle friedlichen Völker dieser Erde.

 

  1. 16. Dezember 2015, Leipzig/Privat im Poniatowski
  2. 27. November 2015, Leipzig / Frau Krause
  3. 26. November 2015, Jena / Alster
  4. 17. Oktober 2015, Leipzig / Noch Besser Leben, Vernissage: Der Maler Pratajev – Die Petroperbolsker Sammlung

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