The Russian DoctorsTheRussianDoctors

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Bio + Geschichte
Erlenholz und Gruftruforgien
Die Entstehungsgeschichte der Russian Doctors 



So manchen Dichter schluckte schon das Dunkel der Vergessenheit, nicht aber Pratajev. Dank der heroischen, aufopferungsvollen Kulturarbeit der Russian Doctors bleibt der Dichter der Birkenhaine und Steppenränder in unserer Erinnerung und lebt als frohes Bild den Superstars der Neuzeit vor, wie ein gehaltvolles Leben eben zu leben ist. Mindestens 40%ig muss es sein, klar und rein und durchaus bereichert von so mancher Dorfschönheit.

Eigentlich ist Pratajev ja schon lange tot. Und gut 40 Jahre nach seinem Ableben dürften auch die Würmer und Schnecken, Milben und Zecken, Maden und sonstigen am Zersetzungsprozess beteiligten Widerlinge satt und zufrieden von dannen gekrochen sein. Aber Pratajev lebt. Nicht dass er uns in irgendeiner Weise körperlich begegnet, als Zombie, als sehr junge Schwesternschülerinnen erschreckt, nein, Pratajev lebt als Befehl: Schreib diesen Text und forme jenes Buch, singe dieses doofe Lied undkomponiere dazu eine garstige Melodie.



Diese Worte und Sätze hallen durch die Nacht, wenn Künstler in ganz Deutschland grübelnd über ihre Zukunft nachdenken. Und der Befehl hat Erfolg. Immer mehr Material aus Pratajevs Nachlass wird entdeckt, immer mehr Songs entstehen, als harte Rockmusik getarnt oder als Lied am Lagerfeuer, selbst das Fernsehen konnte im Jahr 2002 nicht widerstehen und jagte einen unschuldigen Komparsen durch das Dickicht Leipziger Randbezirke, denn Pratajev hatte den Befehl gegeben: „Drehe diesen Film.“ Diesen Befehl verstanden verschiedene Personen etwas falsch, denn es entstand nur ein kurzer Beitrag, doch was soll‘s, immerhin.


In diesem, dem Jahr 2003, entdeckte Pratajev eine neue Form des Befehle-Gebens. Eine verwunschene Erlenholzgitarre, gebaut in Münster in Westfalen, diente ihm als Werkzeug, einem unschuldigen jungen Mann den Befehl einzugeben: „Singe Lieder, singe Heimatlieder, mit einer Gitarre, wie sie einst mein treuer Freund und Begleiter Anatoli Prumski besaß.“ Dieser unschuldige junge Mann, gerade nach Leipzig gezogen, hatte keine Chance, sich zu widersetzen. Flugs eilte er zu dem besessensten aller Pratajev-Befehle empfangenden Künstler, den man Makarios nennt und welcher schon berühmte Punk-Rock-Kapellen mit seiner Stimme verzierte. Makarios arbeitete gerade an einem weiteren, dem Meister huldigenden Werk, da er und sein Verleger Wallgold jr. den Doppelbefehl: „Macht das Buch“ bekommen hatten, musste jedoch sofort seine Arbeit unterbrechen, als der junge Mann aus Münster an sein Atelier klopfte und bat: „Oh Sänger von Wissmut, Sänger von Die Art, Sänger von Prumskibeat, ich brauche Deinen Rat.“


 


Hastig erzählte der junge Mann, welcher den eindeutigen Namen Pichelstein trägt, dass er eine CD produzieren müsse, mit Texten des berühmten und viel zu früh verstorbenen Pratajev, und er, Makarios, sei der einzige, der ihm dabei helfen könne. Makarios grübelte, sagte, „Komm morgen wieder“ und griff in das Fach mit den geheimen Unterlagen. Echte Manuskripte des toten Dichters lagen da, unentdecktes Material zuhauf und einige der Gedichte gab er diesem Pichelstein mit auf den Weg.

Am nächsten Tag hatte Pichelstein zehn Lieder komponiert und der zufriedene Pratajev befahl gar gütig: „Nun, nimm es auf und bring es auf diesen kranken Musikmarkt.“ Er schickte noch eine ganze Orgie von Gruftrufen, mit denen er einst seine Lesungen abschloss, hinterher und Makarios und Pichelstein nahmen eine herzallerliebste CD auf.


Pratajev selbst, durch sein zeitiges Ableben an direkter Mitarbeit verhindert, überwachte das Gelingen, klopfte Veit, dem Techniker im Midas-Tonstudio diverse Male anerkennend auf die Schulter und gab so manche Anekdote aus seinem Leben preis. Wie das geht, wollt ihr wissen? Ein Toter redet? Das ist ganz einfach, wenn ihr einmal Makarios im Studio besucht. Der steht dann vorm Mikrofon und kann nicht singen, weil Pratajev ihm Unmengen an blöden Sprüchen auf die Zunge legt.
Zu Lebzeiten war Pratajev natürlich nicht nur Dichter und Sänger. Er war Karussellführer, Hilfszahnarzt, Mineralwasserquellenbesitzer, Maler und Erfinder der Katzenrasur. In seinen Büchern wurde gesoffen, gehurt und gemordet, in seinen Gedichten pries er das pralle Leben der russischen Weiten. Inzwischen gelangte durch einen gar barschen Befehl das Gedicht „Lange Haare“ sogar in ein deutsches Schulbuch.

Neugierig geworden? Ungläubig staunend? Dann holt Euch die Bücher, holt Euch die Platten und kommt in die Pratajev-Gesellschaft, denn all das gewährt tiefe Einblicke in das Schaffen des Meisters. Los jetzt! Das ist ein Befehl.


Und wie man sieht - Alles trägt Früchte: 


angler



Selbst Katzen würden Pratajev kaufen: